Tipps vom Profi

"Sicher auch abseits der Piste im Schnee"

Alle Schneesportarten, individuell für jedes Level und jedes Alter! Das wollen wir Ski-und Snowboardlehrer der 1. donauwörther skischule im VSC unseren Skischülern bieten. Nicht mehr Skiunterricht „à la Schlange fahren“ sondern die Weiterentwicklung des Einzelnen mit seinen Fähig- und Fertigkeiten liegt uns Profis besonders am Herzen.

Gerade die Situation neben der präparierten Piste (Backcountry) bestimmt sich durch variable Schneebeschaffenheit, vielfältige Geländekonturen, verschiedene Steilheiten und sich ständig ändernden Wetter- und Sichtverhältnissen. Dazu kommen der Faktor Mensch (Skikönnen, Kondition, Motivation etc.) und natürlich die Ausrüstung (längere und breitere Off-Piste- und Allmountain-Ski).

Um all dies zu bewältigen benötigen wir eine gute Skitechnik.
Ziel einer guten Skitechnik ist es, die jeweilige Situation (steil, flach, mehr oder weniger Tiefschnee) mit der richtigen Geschwindigkeit und Fahrtrichtung zu meistern. Da man bei zu hoher Geschwindigkeit einen Sturz riskiert, aber bei zu geringer Geschwindigkeit nicht um die Kurve kommt, muss permanent das richtige Level gefunden werden. Gleiches gilt für Vor-, Rück- oder Innenlage.

Was zeichnet nun eine gute Skitechnik aus?

Der Hauptsatz beim Tiefschneefahren ist: „Oberkörper stabil, Beine agil"
Das heißt, dass die Aktionen durch die Beine eingeleitet werden. Diese sind den Ski am nächsten und agieren folglich auch am wirkungsvollsten. Der Oberkörper stellt dabei einen Fixpunkt dar, der das System Skifahrer und Ski stabilisiert. Zudem steigen die Anforderungen an das Gleichgewicht enorm, da es in tiefem Schnee auf eine gefühlvolle und präzise Druck- und Belastungsregulation in alle Richtungen ankommt.

  • Mit einer kontinuierlichen, ausgewogenen Hoch- und Tiefbewegung baut man den erwünschten und hilfreichen Schneewiderstand auf, damit die Ski nicht versinken, sondern auf der Schneeoberfläche aufschwimmen. Dieser Verdichtungseffekt des Schnees lässt sich auch für das Kurvenfahren optimal nutzen.
  • Beidbeinig fahren: Bei annähernd gleicher Belastung von beiden Ski wird die Flächenwirkung vergrößert und erleichtert das Auftriebverhalten im tiefen Schnee. Auch sollten wir kontinuierlich versuchen, eine mittige Position mit leichter Fersenbelastung einzunehmen. Dies gelingt uns am einfachsten, wenn wir die Zehen anziehen und schon schwimmt die Skischaufel wie von selbst auf.
  • Schmaler fahren: Eine engere Beinstellung vergrößert ebenfalls die Flächenwirkung der Ski und erleichtert das Drehen im Schnee. Jedoch sollte der Abstand der Ski über den gesamten Kurvenverlauf gleich bleiben. Eine gute Übung ist hier einen Gegenstand (Handschuh, Luftballon) zwischen die Knie zu klemmen und das Kurvenfahren in dieser Situation zu meistern.
  • Stabiles Gleichgewicht mit optimaler Vor-Rückbewegung: Nicht zu weit nach vorne, aber auch nicht zu weit hinten absitzen, das ist die Herausforderung beim Tiefschneefahren. Zu viel Vorlage sorgt dafür, dass sich die Skischaufeln unter den Schnee graben. Man droht einen Abflug nach vorne zu machen. Ist die Belastung dagegen zu weit hinten bekommen die Ski einen zu großen Anstellwinkel im Schnee. Es kommt zu einem erhöhten Reibungswiderstand und das Steuerverhalten der Ski wird negativ beeinflusst. Außerdem ist diese „Klositz-Position“ extrem anstrengend zu halten. Daher fällt die Vor-Rück-Regulation beim Powdern minimalistisch aus und ist nahezu statisch. Die Kurvensteuerung ist somit von einer mittigen Position, hoher Körperspannung und einer Belastung der gesamten Fußsohle gekennzeichnet. Nur gegen Ende der Steuerphase realisiert man eine geringe Fersenbelastung. Dieser Bewegungsablauf, nämlich Körperspannung über den gesamten Kurvenverlauf, mittige Druckverteilung während der Kurve (leichte Vor-Regulation), dann minimaler Druck auf die Ferse im Kurvenwechsel (Rück-Regulation), wiederholt sich bei jedem Turn von neuem.
  • Stockeinsatz und Handhaltung um einen besseren Bewegungsrhythmus und -fluss zu realisieren: Der Stockeinsatz entpuppt sich gerade beim Tiefschneefahren als eine sehr gute Rhythmushilfe. Die Handhaltung seitlich vorm Körper in der Höhe zwischen Hüfte und Schulter sorgt dafür, dass der Oberkörper ruhig und stabil wird und eine ungünstige Rücklage vermieden wird.

Wie in so vielen Bereich lernt man nur durch ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN. Gerne unterstützen wir Euch dabei und wünschen allen einen schönen und vor allem unfallfreien Winter in den Bergen.
Auf in die neue Skisaison 2015/2016!

Ski heil, Euer
Jürgen Hölzl

Tipps vom Profi aus älteren Programmheften:

» Tipps vom Profi 2017 / 2018
» Tipps vom Profi 2016 / 2017
» Tipps vom Profi 2015 / 2016
» Tipps vom Profi 2014 / 2015
» Tipps vom Profi 2013 / 2014
« Zurück zu den aktuellen Tipps